Das Leben in Kenia
Politische Situation:
Nach den umstrittenen Wahlen vom 27. Dezember 2007 kam es im gesamten Land
zu massiven Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen. Viele
Kenianer waren im eigenen Land auf der Flucht, noch heute gibt es Flüchtlingscamps.
Inzwischen ist die Situation insgesamt relativ stabil, es kommt aber immer wieder zu
Konflikten zwischen den Ethnien. Die nächsten Wahlen sind für 2012 angesetzt, die
Meinung über den Ausgang wird aus heutiger Sicht sehr unterschiedlich beurteilt.
Eine gewisse Unsicherheit bleibt bestehen.
Geographische Lage:
Mit 582.000 qkm ist Kenia etwas größer als Frankreich.
Mitten durch das ostafrikanische Land zieht sich der Äquator.
Dennoch sind Klima und Vegetation nur an der Küste und am
Viktoriasee tropisch feucht. Die Nordhälfte des Landes zwischen
Lamu und Lodwar ist karg bis
wüstenhaft und nur spärlich besiedelt. Mehr als drei
Viertel der knapp 32 Millionen Einwohner drängen sich
in den fruchtbaren Highlands im Dreieck zwischen
Machakos, Meru und der Grenze zu Uganda.
Savanne bei Maralal
Rift Valley
Wirtschaft:
Kenia besitzt nur eine schmale industrielle Basis, das Hauptpotential liegt in der
Landwirtschaft (Schnittblumen), der Tourismus gilt als zweitwichtigste Devisenquelle.
Die Hauptattraktionen des Vielvölkerstaates sind die vielen Nationalparks und die ca. 500 km
lange Küste. Nach den Wahlen Ende 2007 waren die wirtschaftliche Entwicklung
und der Tourismus lange stark gehemmt. Trotz der hohen Einbußen durch die
Unruhen und einer großen Dürre erholt sich das Land langsam wieder.
Kenia ist der weltweit größte Exporteur von Schwarztee,
Pryrethum (einem natürlichen Insektizid) und
Schnittblumen, vor allem Rosen.
Teeplantage
Rosenfarm
Sozialstruktur und Bevölkerung:
Die traditionelle Sozialstruktur in Kenia zu beschreiben ist müßig. Zu unterschiedlich sind
die 42 offiziell anerkannten ethnischen Gruppen und zu rapide ist der gesellschaftliche
Wandel. Die Berufung auf Tradition spielt in Kenia jedoch eine wichtige Rolle. Oft ist die
Referenz auf die Kultur der Väter allerdings mehr oder weniger fiktiv. So spiegeln denn
viele Ethnographien über die 'Stammeskulturen' Kenias eher traditionalistische Ideologien
von Kultur wieder, als die Wirklichkeit. Dies wird durch die noch immer stattfindende
Beschneidung und Verheiratung von sehr jungen Mädchen deutlich.
Kenia ist ein Vielvölkerstaat und seit Jahrtausenden ein Einwanderungsland. Mehr als 40
verschiedene Volksstämme leben in Kenia und sprechen mehr als 50 verschiedene Sprachen.
Die größte Volksgruppe stellen die bantusprachigen Kikuyu mit 20% an der Gesamtbevölkerung
dar. Die Bantuvölker (Kikuyu, Luya, Kamba u. a.) bilden insgesamt 65% der Bevölkerung.
Zweitgrößte Volksgruppe sind die Niloten (Luo, Kalenjin, Massai, Turkana, Samburu, Oromo,
Somali) mit 30%. Das wohl bekannteste Volk Kenias, die Massai, bildet nur rund 1,6% der
Bevölkerung. Zu dieser Bevölkerungsstruktur kommen noch ca. 80.000 Kenianer asiatischer
und ca. 60.000 europäischer Abstammung. Die Bevölkerung bekennt sich zu über 70% zum
Christentum; weiterhin gibt es Anhänger von traditionellen Religionen, Muslime und Hindus.
Die höchste Bevölkerungsdichte findet man im gut beregneten Hochland und in der südlichen
Küstenregion.
Massai Junge
Turkana Frau
Die größten Städte sind Nairobi, Mombasa, Kisumu und Nakuru. Kenia hat zwei offizielle
Landessprachen: Englisch, die Sprache der ehemaligen Kolonialherren und Kisuaheli
(wörtl.: Sprache der Küste), eine afrikanische Sprache, die ursprünglich vor allem in der
Küstenregion zwischen Somalia und dem Norden Mosambiks gesprochen wurde.
Skyline von Nairobi
Wichtige Daten im Überblick:
Klima: tropisch (Küste), semiarid und arid (Norden, Nordosten), subtropisch
(Hochland/Zentrum)
Größe: 582.646 qkm
Hauptstadt (Einwohnerzahl): Nairobi (rd. 3 Mio.)
Bevölkerung: 35 Mio.
Landessprachen: Englisch, Kisuaheli
Religionen/Kirchen: 70% Christen (davon 26,5 % Anglikaner, 26,4 % Katholiken,
20% Moslems, 10% Naturreligionen
Nationaltag: 12. Dezember (Unabhängigkeitstag)
Unabhängigkeit: 12. Dezember 1963
Staatsform/Regierungsform: Präsidialdemokratie
Staatsoberhaupt: Staatspräsident (gleichzeitig Oberkommandierender
der Streitkräfte) S.E. Hon. Mwai Kibaki (erneut seit 7. Januar 2008 - nicht unumstritten -
zum Wahlsieger erklärt. Die Vereidigung Kibakis zum Präsidenten, die Ernennung des
Vizepräsidenten wurde zunächst von der Opposition abgelehnt).
Premierminister: Raila Odinga (seit 17. April 2008)
Parlament: National Assembly, ein Parlament nach britischem Westminster-Typus,
jedoch ohne Oberhaus, d.h. Einkammerparlament, 210 Sitze, Speaker
(Parlamentspräsident): Hon. Kenneth Otiato Marende (seit 15.01.2008). Letzte
Parlamentswahlen: 27.12.2007
Die nächsten Parlamentswahlen stehen für 2012 an.
Regierungsparteien: im wesentlichen Partei der Nationalen Einheit (PNU), Kenya
African National Union (KANU), ferner haben die Abgeordneten von ODM-Kenya und
zahlreiche einzelne Abgeordnete kleiner Parteien bei der Wahl des Speakers den
Kandidaten von PNU und KANU unterstützt, der allerdings unterlag.
Weitere interessante und detailliertere Informationen bietet das Auswärtige Amt
und Kenyan Ambassy Berlin.
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